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7. Die zerstörerischen Auswirkungen der Französischen Revolution
Was die Kirchenverwaltung an Bausubstanz noch über die Zeit retten konnte, sollte durch die Französische Revolution, die im Oktober 1794 auch das Gebiet unserer Pfarrei überrollte, weiter dezimiert werden.
Die unmittelbare Nähe der Michelsburg, die Gebeine der siebzehn Verstorbenen aus dem Geschlecht der Pfalz-Veldenzer Grafen in der Kirchengruft und die kurfürstlichen Ländereien am Remigiusberg wurden unserer Propstei zum Verhängnis. Alles, was die Revolutionstruppen auch nur indirekt an den verhassten Adel erinnerte, sollte dem Verderben anheim fallen.
Ganz besonders schlimme Folgen hatte dies für unsere Propsteikirche. Nur weil sie damals im Volksmund "Hofkapelle" genannt wurde, weil sie ein Jahrhundert zuvor noch faktisch fürstliches Eigentum war und in ihrer Gruft die sterblichen Überreste der Grafen von Veldenz beherbergte, wurde die Remigiuskirche ein Opfer des blinden Hasses der französischen Revolutionstruppen.
Gnadenlos rückten die Revolutionäre diesem Feudalrelikt mit den Spitzhacken zu Leibe. Man begann, die beiden Seitenschiffe und das Querhaus abzureißen, und um ein Haar hätten sie auch das Mittelschiff niedergelegt. Das südliche Seitenschiff wurde damals wohl bis fast auf die Grundmauern niedergerissen, das nördliche Seitenschiff dagegen wurde nicht ganz niedergelegt, sondern lediglich bis unterhalb der Dachkante abgebrochen. Auch der Westgiebel des Mittelschiffs wurde durch die Zerstörungswut der Franzosen in Mitleidenschaft gezogen. Ob man damals auch das Mittelschiff teilweise niedergerissen hat, oder ob es (wie bereits im ... Kapitel erwähnt) schon zeitlich früher um zwei Joche verkürzt wurde, lässt sich nicht sicher ausmachen.
Wenn es nach dem Willen der Revolutionäre gegangen wäre, hätte man das ganze Gotteshaus völlig dem Erdboden gleichgemacht. Jedoch das eindringliche und inständige Flehen der Katholiken der Pfarrei bewirkte einen Aufschub der völligen Zerstörung unserer geschichtsträchtigen Kirche.
Daraufhin ließ die französische Revolutionsverwaltung die gesamten Liegenschaften in einzelne Parzellen unterteilen und veräußerte sie an Privatleute. Selbst das Pfarrhaus wurde versteigert, nachdem der damalige Pfarrer von seinem Amtssitz vertrieben worden war. Lediglich die verstümmelte Kirche blieb im Besitz der katholischen Kultgemeinde. Da von der Kirche allerdings nur noch das an beiden Längsseiten offene Langhaus als Ruine übriggeblieben war, konnte man es nicht mehr zu gottesdienstlichen Zwecken gebrauchen.
Die Pfarrei wurde im Oktober 1798 aufgelöst und mit der Pfarrei Kusel verschmolzen.
Das Leben der Pfarrei blieb rund viereinhalb Jahre blockiert, bis ein Ex-Kapuziner-Mönch aus dem aufgelösten Kloster Meisenheim im Jahr 1803 das im Privatbesitz befindliche Pfarrhaus mietete und es später im Jahr 1807 für 150 Gulden dem Privatbesitzer abkaufte.
Weil man diesen Ordensmann aufgrund seines hohen Alters nicht aus der Republik ins Rechtsrheinische ausweisen konnte und er sogar von der Revolutionsregierung eine bescheidene Rente erhalten musste, nachdem er den Eid auf die Revolutionsverfassung geleistet hatte, kam unsere Pfarrei gleichsam durch die Hintertür wieder zu einem kostenlosen außerplanmäßigen Pfarrer, der sogar noch von der Revolutionsregierung besoldet wurde.
Doch an einen Gottesdienst in dem ruinösen Torso der Remigiuskirche war vorerst nicht zu denken. Das stark beschädigte Dach lastete schwer auf den überstrapazierten und unter der ungewohnten Last ächzenden Gurtbögen, die ihrerseits den Druck auf die Vierungspfeiler weiterleiteten. Diese wiederum wussten sich nicht anders zu helfen, als sich wegen des fehlenden Ausgleichsdrucks der niedergerissenen Seitenschiffe bzw. der Querhauswände bedrohlich nach außen zu neigen.
Zudem trieben auch noch Wind und Wetter, Sturm und Regen ihr Unwesen mit der einstmals so prächtigen Kirche, die nun - nach allen Seiten offen und ihrer schützenden Hüllen beraubt - den Naturgewalten hilflos ausgeliefert war.
Wieder einmal mussten drei fürstliche Bewohner der Gruft ihre Särge opfern, die für 375 Gulden versteigert wurden und somit der Kirchengemeinde das benötigte Kapital lieferten, das man brauchte, um wenigstens die Mittelschiff-Jochbögen auszumauern und das verfallene Kirchendach notdürftig zu reparieren.
Nach dem Tod des Ex-Kapuziners im Jahr 1811 stand die Pfarrei erneut wieder ohne Pfarrhaus da; sie wurde von Kusel aus wieder mitverwaltet. Durch Sonderkollekten, die sich die Kirchengemeinde praktisch vom Mund abgespart hatte, konnte man schließlich 1812 den Erben des Verstorbenen das Pfarrhaus abkaufen.
Nach zwei weiteren Jahren hatte man endlich einen anspruchslosen Pfarrer auf den Remigiusberg locken können, doch dieser verließ, vermutlich von der wirtschaftlichen Not gedrängt, im Jahr 1816 die mittellose Pfarrei, die lediglich einen halben Morgen nutzbares Ackerland als Pfründe zu bieten hatte.
Während der erneuten Mitverwaltung der verwaisten Pfarrei durch die Kuseler Pfarrer drohte der Pfarrei Remigiusberg die endgültige Auflösung, was das faktische Ende und den völligen Abbruch unserer historischen Kirche bedeutet hätte.
Durch hartnäckige Verhandlungen mit der Regierung und den vorgesetzten Kirchenbehörden, gepaart mit Versprechungen auf eine absehbare Verbesserung der Erträgnisse und Vergrößerung der Pfarrpfründe, schafften es die schlitzohrigen Kirchenverwalter jedoch immer wieder, die Kirche über die Zeit zu retten und die Auflösungsbestrebungen der Pfarrei Remigiusberg zu überstehen, bis sich irgendwann wohlgesonnene Befürworter fanden, die sich für den Erhalt der Pfarrei und insbesondere der altehrwürdigen Kirche einsetzten
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